
Die Frankfurter Allgemeine beschäftigte sich in einem Artikel am 20. Nov. über die Schließung der Slawistik an der Uni-Marburg. Als unmittelbar betroffene habe ich folgenden Leserkommentar geschickt, der im Anhang veröffentlicht wurde:
Missbrauch der Schwerpunktbildung
Beide großen Volksparteien haben die Notwendigkeit einer Schwerpunktbildung an Hochschulen erkannt und in Ihren Parteiprogrammen aufgenommen. Somit war es absehbar, dass es auch in der hessischen Hochschullandschaft zu Veränderungen kommen würde.
Trotz geringer Studentenzahlen an der Marburger Slawistik, (die aufgrund politischer Veränderungen nach 1989 auftraten) trug der Fachbereich nach wie vor zur internationalen Ausrichtung der Hochschule bei, nicht zuletzt nahmen die Zahlen osteuropäischer Studenten in Marburg zu. Die russischen Naturwissenschaften und die russische Literatur haben der Marburg einen Teil ihrer Wurzeln zu verdanken. Die Universität wusste dies geschickt zu nutzen um die bedeutendsten Universitäten Russlands mit Partnerschaften zu binden. Es wäre nur eine Frage der Zeit gewesen, bis sich der wirtschaftliche Aufschwung Russlands auch in der Rolle Marburgs für die Deutsch-Russischen Beziehungen widergespiegelt hätte.
Dem machte der Universitätspräsident Nienhaus ein Ende. Die Bestrebungen nach einer Neuordnung der Studienlandschaft nutze er, um eigene Präferenzen zulasten einer gewachsenen Struktur durchzudrücken. Es bleibt zu bezweifeln, ob der neue Slawistik-Standort Gießen jemals die Rolle Marburgs übernehmen wird. Professoren und Studenten haben sich an andere Institutionen verflüchtigt, die ein Kontinuum garantieren konnten, wie Mainz und Leipzig aber auch in das europäische Ausland.
Möge das Beispiel Marburg eine Lehre sein, dass die (gerechtfertigte) Forderung nach einer Schwerpunktbildung im internationalen Wettbewerb, schnell als Instrumentarium inneruniversitärer Säuberungen mißbraucht werden kann.
Ich selbst konnte als Studentin der Slawistik rechtzeitig mein Slawistik-Studium beenden, während ich zusehen musste, wie Personal und Studenten im Ungewissen waren. Heute sind wohl alle Untergekommen, die Nachsicht trägt der Standort Marburg und somit Hessen.
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